Seit nunmehr 17 Jahren erfreut sich das zweitägige Symposium „Infektionen in Gynäkologie und Geburtsmedizin“ großer Beliebtheit. So kamen auch im November 2025 fast 150 Gynäkologinnen und Gynäkologen im Dr. Wolff Institut in Bielefeld zusammen, um den praxisrelevanten Vorträgen der hochkarätigen, interdisziplinären Referentinnen und Referenten zu folgen und gemeinsam zu diskutieren.
Der Termin für die nächste gynäkologische Fortbildung bei Dr. Wolff ist der: 06. & 07. November 2026.
Die Anmeldung ist ab sofort geöffnet.
Den Auftakt des Symposiums bildete das vieldiskutierte Thema „Künstliche Intelligenz“. „Die KI wird uns für die nächsten Jahre und Jahrzehnte begleiten und die Medizin auch in unserem Fachbereich beeinflussen und verändern“, führte der wissenschaftliche Leiter des Symposiums, PD Dr. Volkmar Küppers, Düsseldorf in die Thematik ein. Unter dem provokanten Titel: „KI befundet demnächst Nativpräparate?“, setzte sich dann Prof. Werner Mendling aus Wuppertal kritisch mit den Herausforderungen moderner KI-Anwendungen auseinander. Sein Fazit: KI wird in vielen Bereichen der Medizin bereits erfolgreich angewandt, doch noch fehlt es den Patientinnen und Patienten an Vertrauen in die neue Technik und die deutsche Bürokratie legt neuen Anwendungen viele Steine in den Weg.
Mit dem Management der (drohenden) Frühgeburtlichkeit, befasste sich Dr. Janine Zöllkau aus Jena. Die Gynäkologin plädierte dafür, die gesundheitsfördernde Laktobazillen-Dominanz nach einer Antibiose umgehend wiederherzustellen und untermauerte ihr Anliegen mit Studien, welche die schützenden Effekte der vaginalen Probiotika-Gabe (z.B. Vagisan® ProbioFlora Milchsäure-Bakterien) belegen (1,2). Um die Bedeutung der B-Streptokokken für Schwangerschaft und Geburt ging es im Vortrag von Ap. Prof. DDr. Alex Farr, Wien. Eine vielversprechende Perspektive für den Schutz der Neugeborenen bietet dem Gynäkologen zufolge ein hexavalenter Konjugatimpfstoff für Schwangere, der in einer Phase-III-Studie getestet werden soll (3).
Aktuelle Ergebnisse zur Zervix-Diagnostik stellte Prof. Melanie Henes aus Tübingen anhand der Registerstudie der Arbeitsgemeinschaft für Zervixpathologie und Kolposkopie (AG-CPC) vor. In der von Dr. Küppers geleiteten Lernerfolgskontrolle befassten sich die Teilnehmenden mit dem Abklärungsalgorithmus der Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme (oKFE-RL).
Über die therapeutische Relevanz der Mikrobiomdiagnostik berichtete Priv.-Doz. Dr. Dr. Patrick Finzer, Düsseldorf. Wie der Mikrobiologe ausführte, beeinflusst die Zusammensetzung des vaginalen Mikrobioms nicht nur die Fertilität, sondern z.B. auch die Persistenz von Humanen Papillomviren (4,5). „Ohne Laktobazillen gibt es kein gesundes Mikrobiom“, betonte der Mikrobiologe und Laborarzt.
Dr. Barbara Eberz, aus Mürzzuschlag in Österreich referierte anschaulich, welch langen Leidensweg viele Patientinnen mit chronischem Beckenschmerzsyndrom durchleben müssen und welche multidisziplinären und multimodalen Therapieansätze erfolgversprechend sind. Wichtig ist der Gynäkologin zufolge, eine vertrauensvolle Beziehung zur Patientin aufzubauen und eine Chronifizierung durch möglichst frühzeitiges intervenieren zu vermeiden.
Für großen Zuspruch sorgte – wie schon in den letzten Jahren – der Vortrag von Dr. Ludwig N. Baumgartner aus Freising. Diesmal befasste sich der Gynäkologe mit dem Thema „Veränderung von Haut und Haaren: Phänomen des Alterns?“, das er auf amüsante und zugleich fachlich fundierte Art bearbeitete. Leicht verständlich legte Baumgartner die komplexen hormonellen Ursachen dar und verwies auf die Hormonersatztherapie als therapeutische Möglichkeit. Ein weiterer Ansatz, z.B. dem altersbedingten Haarausfall entgegenzuwirken, ist topisches Koffein, das die Durchblutung der Haarwurzel verbessern kann (6).
Interessante Einblicke in die Thematik der HPV-assoziierten und HPV-unabhängigen Präkanzerosen der Vulva bot der Vortrag der erfahrenen Pathologin Prof. Sigrid Regauer aus Graz, Österreich. Das patientenorientierte Management von sexuell übertragbaren Erkrankungen in Normal- und Risikokollektiven erläuterte die Expertin für sexuelle Gesundheit Isabel Mordhorst, Bochum.
Literatur
1 Baradwan S et al. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2023; 291:112–119
2 Kavak SB et al. Drug Des Devel Ther 2014; 8:1169–1173
3 Madhi SA et al. N Engl J Med 2023; 389:215–227
4 Haahr T et al. J Infect Dis 2019; 219(11):1809-1817
5 Finzer P et al. Geburtshilfe Frauenheilkunde 2023; 83(8):1017–1021
6 Fischer TW et al. Int J Dermatol 2007; 46(1): 27–35